Chronologie: Kaiser, Paulus und Palästina

Chronologie (1/3)

Rom zur Zeit des Urchristentums

Augustus ("der Erhabene" - ein vom Senat verliehener Ehrentitel) gilt als erster Kaiser Roms. Er reorganisierte das Staatswesen und stellte die Alleinherrschaft auf eine rechtliche Basis. Formell gilt der Kaiser als "erster Bürger" (princeps). Im Neuen Testament wird er in Lk 2,1 genannt.

Tiberius war bei Regierungsantritt bereits 55 Jahre alt und ein erfahrener und erfolgreicher Feldherr. Seine Regierungszeit war von äußerster Sparsamkeit geprägt. Unter ihm bricht der Konflikt zwischen Senat und Kaiser erstmals offen aus (Majestätsprozesse) wobei der große Einfluss des Prätorianerpräfekten Seianus eine wichtige Rolle spielt. Im neuen Testament wird er in Lk 3, 1 erwähnt, wo durch den Verweis auf sein 15. Regierungsjahr (28 n.Chr.) das öffentliche Wirken Johannes des Täufers datiert wird.

Gaius, bekannt unter dem Spitznamen Caligula ("Stiefelchen"), ging nach einer Verschwörung gegen ihn zur offenen Alleinherrschaft über und pflegte einen orientalisierenden Regierungsstil der die Einforderung göttlicher Verehrung einschloss. Das führte z.B. zum Konflikt mit den Juden Alexandrias. Er fiel einer Senatsverschwörung zum Opfer.

Claudius gilt als erfahrener Verwaltungsfachmann, der nach der Ermordung Caligulas als einer der wenigen Überlebenden der Kaiserfamilie zum Princeps erhoben wird. Unter ihm entsteht das so genannte Claudiusedikt (wahrscheinlich im Jahre 49) mit dem Juden aus Rom ausgewiesen werden. Es wird in Apg 18, 2 erwähnt. Claudius war aber nicht generell judenfeindlich eingestellt wie seine Intervention zugunsten der alexandrinischen Juden zeigt.

Auf Nero ruhten bei seinem Regierungsantritt viele Hoffnungen. Er galt als "Philosoph auf dem Kaisertron". Im weiteren Verlauf seiner Regierungszeit kommt es mehrfach zu offenen Machtkämpfen zwischen ihm und dem Senat (Majestätsprozesse). Den Christen gilt er als erster großer Verfolger. Nachdem in Rom ein Brand ausgebrochen war, der große Teile der Stadt verwüstet hatte, machte Nero die Christen für dieses Unglück verantwortlich, angeblich um Gerüchten entgegen zu treten, er selbst habe die Stadt anzünden lassen. Viele Christen wurden auf grausame Weise hingerichtet.

Vespasian setzte sich im auf den Selbstmord Neros folgenden Bürgerkrieg zwischen mehreren Thronprätendenten durch und stabilisierte das Reich durch eine rigorose Sanierungs- und Sparpolitik wieder. Er ist der Begründer der flavischen Dynastie.

Titus beendete als Befehlshaber in der Nachfolge seines Vaters den jüdischen Krieg durch die Eroberung Jerusalems im Jahr 70 (Zerstörung des Tempels). In seine Amtszeit fällt der berühmte Vesuvausbruch des Jahres 79 n.Chr., bei dem die Städte Pompeji, Herculaneum und Stabiä zerstört wurden.

Domitian bemühte sich um eine Reorganisation der Provinzialverwaltung. Sein Regierungsstil gilt als autokratisch. Der Historiograph Sueton berichtet, er habe von den Mitgliedern das Verwaltungsapparates die Anrede "Herr und Gott" verlangt. Nach seiner Ermordung verhängt der Senat eine "damnatio memoriae", d.h. jede Erinnerung an seine Regierung soll ausgelöscht werden.
Den Kirchenvätern gilt Domitian als zweiter großer Verfolger der Christen. Allerdings gibt es dafür keinerlei historische Belege.

Nerva war schon ein Greis als er Kaiser wurde und konnte keine eigenen Akzente mehr setzen. Mit ihm beginnt das Zeitalter der so genannten "Adoptivkaiser", die Blütezeit des Imperium Romanum.

Unter Trajan erreichte das Imperium Romanum seine größte Ausdehnung. Für kurze Zeit wurde sogar Mesopotamien besetzt. Er schickte Plinius d.J. als Sondergesandten in die Provinz Pontus und Bithynien. Von dort berichtete Plinius über Prozesse gegen Christen. In seiner Antwort trifft der Kaiser die berühmten Festlegungen, dass man den Christen "nicht nachspüren soll" und keinen anonymen Anzeigen nachgehen soll. Allerdings reicht das bloße Christsein offenbar als Strafsachbestand aus.

Mit Hadrian kommt ein Philhellene auf den Kaiserthron. Er fördert die griechischen Städte und die griechische Kultur. In die Geschichtsschreibung geht er als reisender Kaiser ein, weil er viele Provinzen während mehrerer ausgedehnter Reisen persönlich besucht. In seine Regierungszeit fällt der Bar-Kochba-Aufstand (132-135 n.Chr.) der Juden in Palästina gegen die römische Herrschaft, der in einem Bludbad endet. Im Ergebnis ist es Juden bei Todesstrafe verboten, Jerusalem und sein Umland zu betreten. Das Zentrum jüdischer Kultur und Theologie in Palästina verlagert sich nach Galiläa.
 
(Philhellenismus ist die Freundschaft zum Griechentum)



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