Die Geschichte Israels nach biblischer Darstellung

Geschichte Israels nach biblischer Darstellung (1/7)

Das Alte Testament als Quelle der Geschichte Israels

Das Alte Testament ist die wichtigste Quelle für die Rekonstruktion der Geschichte Israels zwischen der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends v.Chr. und dem 2. Jh. v.Chr. Allerdings ist es erforderlich, diese über einem Zeitraum von 1000 Jahren gesammelten Texte im Hinblick auf ihren historischen Quellenwert kritisch zu hinterfragen, da den alttestamentlichen Schriften die Kriterien und Intentionen der modernen Historiographie fremd sind. Zwar erscheint das AT in großen Teilen als Geschichtsbuch, doch ist die Geschichtsdarstellung in erster Linie theologisch zu verstehen: Das AT will die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel darstellen und dabei JHWH, Israels Gott, als Lenker der Geschichte erweisen. Die Ereignisse der Geschichte Israels werden dabei als gnädige Zuwendung oder als Strafe Gottes gedeutet. Zudem ist die Geschichtsdarstellung von der Schöpfung bis zum babylonischen Exil aus der Rückschau konzipiert und hat in erster Linie die Situation der Israeliten in exilisch-nachexilischer Zeit im Blick. Es handelt sich also bei den alttestamentlichen Texten nicht um Geschichtsschreibung im modernen Sinne, sondern um Glaubenszeugnisse.
 
Wichtig ist weiterhin die Erkenntnis, dass die alttestamentliche Geschichtsdarstellung in einem langen Überlieferungsprozess entstanden ist, also nicht in einem Guss konzipiert wurde. Der ursprüngliche Aussagegehalt der alttestamentlichen Texte wurde häufig durch Neuinterpretation für die jeweils aktuelle Situation verändert. Will man daher zu den historischen Fakten zurückfinden, welche in alttestamentlichen Texten erzählt werden, so muss man versuchen, den Prozess der Überlieferung zu rekonstruieren. Dazu wird die Methode der historisch-kritischen Exegese genutzt, die im vorangehenden Modul bereits vorgestellt wurde.



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