04 Legasthenie und Dyskalkulie

Videovortrag

Legasthenie und Dyskalkulie

Legasthenie zeigt sich im Lernalltag vor allem darin, dass der Zugang zur Schriftsprache anders verläuft als erwartet. Lesen und Schreiben sind hochkomplexe Prozesse, bei denen viele Funktionen im Gehirn gleichzeitig zusammenspielen; wenn das Zuordnen von Lauten zu Buchstaben, das sichere Wiedererkennen von Wörtern und die Automatisierung dieser Abläufe mehr Zeit und bewusste Aufmerksamkeit benötigen, geraten Kinder im Unterricht leicht unter Druck. Wird Legasthenie früh erkannt, können Lehrkräfte und Eltern Lesen und Schreiben gezielt und entlastend aufbauen, sodass Überforderung und Selbstzweifel reduziert werden und Raum bleibt für mündliches Sprachverständnis, Ideenreichtum und kreative Stärken trotz schriftlicher Hürden.

Dyskalkulie hat nichts mit fehlender Anstrengung oder mangelnder Intelligenz zu tun, sondern mit der Art und Weise, wie Zahlen, Mengen und mathematische Zusammenhänge verstanden und verarbeitet werden. Im Unterricht kann das dazu führen, dass selbst gut erklärte Inhalte brüchig bleiben, Rechenwege nicht nachvollziehbar sind und Lernen stark vom Auswendiglernen abhängt, ohne echtes Verständnis zu entwickeln. Wenn Kinder erleben, dass scheinbar alle anderen mitkommen und sie selbst nicht, entstehen häufig Verunsicherung, Rückzug oder Widerstand – weshalb eine frühe Wahrnehmung so wichtig ist, um Lernprozesse zu stabilisieren und den Selbstwert zu schützen.