Reaktion

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REAKTION

Der reaktive Ansatz hat das Ziel Gegenmaßnahmen einzusetzen bei konkret vorgefallenen antidemokratischen Positionen und Verhaltensweisen. Dabei wird eine unumkehrbare Sanktionierung vermieden. Reaktive Maßnahmen werden in Maßnahmen unterschieden, welche unmittelbar in der Situation erfolgen sowie mit zeitlichem Abstand. Auf der Ebene von Betroffenen gilt es Handlungsoptionen aufzuzeigen, sie zu stärken und auf antidemokratische Vorfälle vorzubereiten.

Reaktive Maßnahmen in der Situation

Betroffenenschutz

Unabhängig ob sich Betroffene im Raum bei antidemokratischen Vorfällen befinden oder nicht, eine unmittelbare Reaktion ist ein wesentlicher Teil, um Betroffene zu schützen. Hiermit stellt man sich nicht nur gegen antidemokratische Positionen und Verhaltensweisen, sondern auch auf die Seite von Betroffenen. Weitere Elemente des Betroffenenschutzes bestehen aus der Begleitung im Anschluss an solche Vorfälle sowie die Beratung bei juristischen Fragestellungen zumeist durch externe Partner*innen. Als Lehrkraft kannst du zudem potenzielle Betroffene empowern, indem du diese auf mögliche Vorfälle vorbereitest und Bewältigungsstrategien entwickelst. Zudem tragen präventive und integrative Handlungsstrategien im gesamten schulischen Raum dazu bei Betroffene zu schützen.

Dialogstufenmodell zur Einordnung der Kommunikationsebene

Die Dialogstufe
Auf der ersten Stufe, der Dialogstufe, ist jeder Gesprächspartner bereit, auf die Gefühle und Bedürfnisse des Anderen einzugehen. Ziel ist es, das Gegenüber, auch mitsamt seiner irrationalen Seite, als menschliches Wesen zu verstehen. Der Dialog setzt somit eine menschliche Offenheit und Nähe voraus, wie sie meist nur zwischen Familienmitgliedern und engen Freunden anzutreffen ist. [...] Auf der Dialogebene suchen wir den Menschen hinter den rechtsextremen Sprüchen. Hinter einer Angst vor „den kriminellen Ausländern“ steckt vielleicht die unverarbeitete Angst einer erlebten Gewaltsituation, hinter der „Nibelungentreue“ zur Kameradschaft vielleicht ein Bedürfnis nach Anerkennung, die nicht an schulische oder berufliche Leistungen gebunden ist. Wenn wir mit dem „Gefühlsohr“ zuhören, bieten wir eine menschliche Alternative zur rechtsextremen Clique an.

Die Diskursstufe
Die Diskursstufe zielt auf eine Sachdiskussion. Eine Sachdiskussion setzt die grundsätzliche Anerkennung des Anderen voraus. Im Gegenüber erkennen alle Beteiligten ein vernünftiges Subjekt mit eigenen Rechten, nicht zuletzt dem Recht auf eine eigene Meinung. Man muss bereit sein zuzuhören und sich von Sachargumenten überzeugen zu lassen. Im Unterschied zur ersten Ebene geht es jedoch nicht um Verständnis für Gefühle, sondern um einen vernünftigen, sachlichen Diskurs. Unser Gegenüber äußert beispielsweise in ruhiger Form „dass ein Türke ihm den Arbeitsplatz weggenommen hat“. Wir können nachfragen, können unsere Werte verdeutlichen, argumentieren und diskutieren. Wir merken, dass unser Gegenüber uns zuhört, ausreden lässt, vielleicht sogar auf uns eingeht. Das Ziel ist es, durch eigene Positionierungen, durch Widerspruch und durch einen Prozess der gegenseitigen Verständigung zu überzeugen. Diskurs und Dialogstufe schließen sich gegenseitig nicht aus. Ist eine Kommunikation auf der Dialogstufe möglich, befördert das auch die Sachauseinandersetzung.

Die Konfrontationsstufe
Die Konfrontationsstufe zeichnet sich durch eine gestörte Beziehungsebene und mangelnde zwischenmenschliche Akzeptanz aus. Unser Gesprächspartner will dominieren, will uns möglicherweise bloßstellen, wird laut. Die Emotionen bestimmen das Gesprächsverhalten: „Ach hör doch auf, die kommen doch nur nach Deutschland um hier kriminell zu werden!“ Eine verständigungsorientierte Diskussion ist nicht mehr möglich, ein inhaltlicher und argumentativer Austausch nur noch sehr bedingt. Wenn jemand eine rechtsextreme Ideologie ohne Argumente überzeugend findet, werden wir ihn kaum mit Argumenten überzeugen können. Was wir allerdings mit einer inhaltlichen Positionierung erreichen können, ist, dass rechtsextreme Parolen nicht unwidersprochen im Raum stehen bleiben. Die anderen am Gespräch Beteiligten merken, dass nicht alle im Raum dieses rechtsextreme Gedankengut teilen. Außerdem können wir mit offenem Widerspruch Bloßstellungen und Beleidigungen abwehren. Die Strategien auf der Konfrontationsebene sollen uns helfen, den öffentlichen Raum, uns selbst und Andere vor rechtsextremen Angriffen zu schützen. Die Alternative ist ein Abbruch des Gesprächs.

Die Eskalationsstufe
Bei Menschen, die schreien, aggressiv oder sogar gewalttätig auftreten, hilft nur Gegenwehr oder Flucht. Du musst auf der Eskalationsstufe den Störer einer Versammlung aus dem Saal verweisen. In zugespitzten Situationen hilft nur noch Flucht oder polizeilicher Schutz. Ist es zu Gewalt oder ideologisch motivierten Straftaten, insbesondere Volksverhetzung, gekommen, kannst du durch eine Anzeige eine Strafverfolgung anregen.

Kirberger, Andreas; Thiesen, Thomas (2013): Für Demokratie streiten. Sicher gegen Rechtsextremismus. Kiel, S. 24-25.
Verfügbar unter: https://www.vielfalt-mediathek.de/wp-content/uploads/2020/12/rfk_rhetorik_gegen_rechtsextremismus_web.pdf.

Argumentationsstrategien

Distanz e.V. (2023): Distanzierungsarbeit als Querschnittsaufgabe pädagogischer Praxis. Eine Arbeitshilfe für die Praxis mit extrem rechts einstiegsgefährdeten und orientierten jungen Menschen. Weimar, S. 55.

Reaktive Maßnahmen nach der Situation

  • Meldung des Vorfalls an das zuständige Schulamt gemäß der Verwaltungsvorschrift für den Umgang mit Notfällen an den öffentlichen Schulen des Landes Mecklenburg- Vorpommern
  • pädagogische Gespräche (§60 Abs. 2 SchulG MV)
  • Elterngespräche
  • Eintragung ins (digitale) Klassenbuch zur Dokumentation von Vorfällen (§60 Abs. 2 SchulG MV)